Chef der HSG hört nach 15 Jahren auf

Das Highlight in Holger Jüchters Amtszeit – und in der Geschichte der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg: Die A-Jugend um Jüchters Sohn Carsten (links) spielte eine Saison lang vor voller Halle in der Handball-Bundesliga, wie hier gegen den VfL Bad Schwartau.

Grüppenbühren/Bookholzberg. Vorsitzender Holger Jüchter hat das Gesicht der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg maßgeblich mitgeprägt. Unter ihm erlebte die Handball-Spielgemeinschaft historische Erfolge – unter anderem den Einzug in die Jugend-Bundesliga. Die Nachwuchsarbeit soll auch nach seinem Abschied das Herzstück des Clubs bleiben.

Man kann wohl darüber streiten, welcher der beiden aktuellen Posten des Holger Jüchter nun der wichtigere sein mag. Der 58-Jährige ist seit fast zwei Jahren Schützenkönig des SV Grüppenbühren, was bereits jetzt – wenn auch pandemiebedingt – die längste ununterbrochene Regentschaft seit 1939 ist. Er wird die Krone, das ist sicher, auch noch einige Monate länger tragen dürfen, an Schützenfeste ist im Moment ja kaum zu denken.

Allerdings ist Jüchter auch Vorsitzender der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg und damit einer der obersten Handballer der Gemeinde Ganderkesee. Wann er diesen Posten räumen wird, steht zwar ebenfalls noch nicht auf den Tag genau fest, sicher ist aber bereits: Es wird noch in diesem Jahr sein. Denn der HSG-Chef wird nach anderthalb ereignisreichen Jahrzehnten abtreten. „Mein Akku ist leer“, sagt er dazu.

Nur drei Jahre ohne Holger Jüchter an HSG-Spitze

Gesundheitliche Probleme aus dem vergangenen Jahr spielten dabei auch eine Rolle. Die Ablösung soll bei der nächsten Jahreshauptversammlung über die Bühne gehen, bei der Jüchter seine Abschiedsworte gern in echte Gesichter und nicht in seinen Bildschirm sprechen würde. Deshalb soll es eine Präsenzveranstaltung werden, was Jüchters Amtszeit wegen der Kontaktbeschränkungen verlängert. „Das ist aber natürlich nicht der Grund – ich wollte eigentlich schon aufgehört haben“, versichert er glaubhaft. „Wir wollen uns einfach, wenn es geht, von Angesicht zu Angesicht treffen.“

Zu behaupten, Jüchter hätte das Schicksal der HSG mitgestaltet, wäre eine schwere Untertreibung – er stand in 15 der 18 Jahre, in denen die Handball-Spielgemeinschaft des TSV Grüppenbühren-Bookhorn mit dem Bookholzberger TB inzwischen existiert, an der Spitze.

Die Männermannschaft spielte bei seiner Amtsübernahme in der Landesliga und tut es heute wieder, stagniert ist der Club in dieser Zeit aber keineswegs. „Es gab Höhen und Tiefen“, sagt Jüchter – manche davon waren historischer Natur. Zweimal stieg Grüppenbühren/Bookholzberg in die Verbandsliga auf – 2009 und 2017 –, doch halten konnte man sich dort nicht. Platz sechs 2011 war die beste Platzierung, 2018 kam der bisher letzte Abstieg.

Grüppenbühren/Bookholzbergs großer Auftritt
Für die großen Höhepunkte sorgten andere Teams. 2014 erreichten die Frauen als erste und noch immer einzige Seniorenmannschaft des Vereins nach einem wundersamen Durchmarsch aus der Weser-Ems-Liga die Oberliga und damit die vierthöchste deutsche Klasse – wenn auch nur für ein Jahr. Und drei Jahre später passierte das fast schon Undenkbare: Die männliche A-Jugend schaffte in einer packenden Relegation den Aufstieg in die Bundesliga und holte die Branchenriesen in die Halle an den Ammerweg. Grüppenbühren/Bookholzberg bekam eine Glückwunschnachricht von Weltmeister-Trainer Heiner Brand und spielte als einer der kleinsten Dorfvereine in der Geschichte der Jugend-Bundesliga vor 300 Zuschauern in der überfüllten Halle gegen den Nachwuchs der Champions-League-Sieger THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt, SC Magdeburg und HSV Hamburg. „Das Bundesliga-Jahr war das absolute Highlight meiner Amtszeit“, sagt Jüchter.

HSG will zurück in Handball-Verbandsliga
Unter ihm setzte die HSG konsequent auf die Jugendarbeit und wurde oft genug belohnt – unter anderem mit einer Halle, die bei den meisten Spielen gut gefüllt ist. „Die Leute kommen noch, weil sie Spieler sehen können, die hier groß geworden sind. Alles andere könnte ich meinen Mitgliedern gar nicht verkaufen“, sagt der Noch-Vorsitzende. „Wir zahlen keinem Spieler Geld, schon deshalb ist die Jugendarbeit der einzige Weg.“ Zuletzt musste die Männermannschaft mit Bennet Krix den besten Torschützen zum Oberligisten TSG Hatten-Sandkrug und mit Marvin Auffarth einen weiteren Leistungsträger zum Verbandsligisten TV Neerstedt ziehen lassen. „Das hat schon weh getan, aber ich gönne es jedem Spieler, wenn er es höherklassig versuchen will“, sagt Jüchter. „Deshalb stecken wir den Kopf jetzt nicht in den Sand.“

Auf Dauer sollen die Männer in die Verbandsliga zurückkehren, den nächsten Anlauf, der im Sommer beginnt, wird wieder Stefan Buß als Trainer leiten. Allein für die Saisonplanung hätte Jüchter den Vorsitz gern schon längst übergeben, damit „der neue Vorstand das auf seine Weise angehen kann“. Allerdings steht auch noch gar nicht fest, wer ihn beerben wird. „Es wird einige Wechsel geben“, sagt Jüchter. Die HSG spricht auf der Internetseite sogar vom „größten Umbruch im Verein seit langem“. Für die meisten Posten habe man schon Kandidaten gefunden, verrät Jüchter, der aber bekennt, „dass es immer schwerer wird, Ehrenamtliche zu gewinnen“.

Dem Verein wird er auch nach seinem Abschied natürlich verbunden sein, schon allein aus familiären Gründen. Seine Söhne Carsten und Torsten spielen ja noch bei den Männern und teilen nicht nur die Liebe zum Handball. Torsten Jüchter ist im Schützenverein Grüppenbühren Juniorenkönig – als Nachfolger von Bruder Carsten. Angst vor hohen Ämtern kann man der Familie Jüchter wahrlich nicht vorwerfen.

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