Die Mitglieder des Präsidiums des Handball-Verbandes Niedersachsen haben einstimmig den Abbruch der Saison 2020/21 beschlossen. Trainer und Funktionäre aus der Region zeigen Verständnis für die Entscheidung.

LANDKREIS Es war letztendlich nur noch eine reine Formsache: Die Mitglieder des Präsidiums des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) haben einstimmig den Abbruch der Saison 2020/21 im Erwachsenen- und Jugendspielbetrieb beschlossen. Die Entscheidung hatten Präsident Stefan Hüdepohl und Vizepräsident Spieltechnik Jens Schoof bereits zu Beginn dieser Woche angekündigt.

„Die Saison 2021/22 wird in der selben Zusammensetzung und gegebenenfalls auch in den Staffeleinteilungen gespielt, wie die Saison 2020/21 geplant wurde“, heißt es im Beschluss wörtlich. Absteiger gibt es demnach nicht. Mögliche Aufsteiger können voraussichtlich nur in den Oberligen der Frauen und Männer ermittelt werden. Sollten dem HVN durch den Deutschen Handballbund Aufstiegsrechte zu den 3. Ligen zugestanden werden, informiert der Verband die Vereine gesondert über die Zulassungsvoraussetzungen.
DM der B-Jugend fraglich
Für den Fall, dass die Deutsche Meisterschaft der weiblichen und männlichen B-Jugend in der Saison 2020/21 ausgetragen wird, stehen dem HVN jeweils zwei Startplätze zur Verfügung. Auch hier werden die Vereine über die Details und Qualifikationsvoraussetzungen gesondert informiert. Der HVN behalte sich mit Blick auf den Meldeschluss am 26. April vor, über die Vergabe der Startplätze auch ohne Qualifikationsspiele allein nach sportlichen Gesichtspunkten zu entscheiden.
Für Andre Haake, Trainer des Männer-Landesligisten TS Hoykenkamp, war dieser Abbruch vorhersehbar: „Der HVN hat sehr lange gezögert, doch es war am Ende die einzige Möglichkeit für alle Mannschaften, da ja selbst ein Training unter den aktuellen Voraussetzungen nicht möglich war. Es wird auch noch einige Zeit dauern, ehe wir wieder trainieren dürfen“, rechnet er. Allerdings fühlt sich der Trainer von Bund und Ländern auch ein wenig veralbert, denn plötzlich werde der wichtige Inzidenzwert weiter heruntergesetzt, aber keiner sagt, wie lange man unter diesem Wert bleiben muss, ehe sich im Trainings- oder Spielbetrieb wieder etwas bewegen darf. „Erst wenn wir wieder mit dem Training beginnen können, gehen wir die Planungen für die kommende Saison konkret an. Ansonsten bleibt zur Zeit alles brach liegen“, sagt Haake. Dabei wird es voraussichtlich keine Änderungen im TSH-Kader geben.

Blick auf den Nachwuchs
Auch Coach Andreas Müller von den Verbandsliga-Männern des TV Neerstedt ist froh darüber, dass die Saison abgebrochen wurde, denn seiner Meinung nach „wird uns das Virus noch lange begleiten“. Für ihn war es nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann der HVN den Abbruch bekanntgeben würde. „Diese Entscheidung war am Ende auch alternativlos“, betont Müller, „denn nachdem die Bundesregierung den Lockdown bis Anfang März erneut verlängert hat, war und ist weder an Training noch an einen rechtzeitigen Re-Start der Saison zu denken.“ Generell sieht Müller noch große Probleme auf den Handballsport zukommen – gerade mit Blick auf den Nachwuchs: „Der Abbruch im Seniorenbereich könnte schon einen faden Beigeschmack haben, was aber passiert im Jugendbereich mit dem älteren A-Jugend-Jahrgang, der ja gar nicht mehr antreten konnte und nun gleich in den Herrenbereich wechseln soll? Diese Jungs haben ein ganz wichtiges Jahr verloren, in dem sie sich weiter entwickeln und sich so dem Herrenbereich annähern sollten.“ Positiv nahm Müller die Idee einer Pokalrunde auf: „Ich finde es sehr gut, dass sich die Mannschaften so zumindest etwas in den Wettkampfmodus zurückfinden können. Ich hoffe, dass der HVN einen Anreiz dazu schafft und für den Sieger einen Preis auslobt.“


REAKTIONEN AUS DEN VEREINEN

Tim Gersner, Vorsitzender des TV Neerstedt, ist für klare Verhältnisse und freut sich, dass der HVN endlich den Beschluss gefasst hat, die Saison abzubrechen: „Nach diesem Beschluss können alle Vereine wieder vernünftig weiterplanen, auch wenn wir durch den jetzigen Lockdown noch nicht endgültig voraussehen können, wie es weitergeht.“

Stefan Buß, Trainer des Männer-Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, befürchtet, dass der Amateursport in der jetzigen Form „den Bach runtergehen“ könnte, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. „So könnten viele ältere Spieler aufgrund der langen Auszeit ihre Laufbahn beenden. Auch in höheren Bereichen könnte es zu Ausfällen bei Trainern und Aktiven kommen.“ Buß hofft, dass der Verband die Pokalrunde ins Leben ruft, damit man sich wieder an den Wettkampfmodus gewöhnen kann. Allerdings rechnet er kaum noch damit, dass der Trainingsbetrieb vor Ostern wieder aufgenommen werden kann.

Jürgen Janßen, Vorsitzender der HSG Delmenhorst, sieht es skeptisch, dass der HVN eventuelle Aufstiegsspiele für die dritte Liga plant – die auch seine Oberliga-Truppe betreffen könnten: „Ich persönlich bin dagegen, daran teilzunehmen, denn die Vorgaben für diese Liga sind enorm. Letztendlich überlasse ich aber der Mannschaft diese Entscheidung, denn sie hat es auf Grund der letzten Saison, die sie als Dritter beendet hat, durchaus verdient.“

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