Delmenhorst/Landkreis. In der kommenden Saison 2020/2021 werden in der Handball-Landesklasse zum letzten Mal Meister im Damen- und Herrenbereich ausgespielt. Damit soll danach vor allem die Regionsoberliga in den einzelnen Regionen aufgewertet werden.

Die Landesklasse gehört unter diesem Namen noch nicht allzu lange zur Handball-Landschaft. Vor vier Jahren löste sie die Weser-Ems-Liga ab, doch nun ist ihr Abschied schon wieder besiegelt: Nach der kommenden Saison 2020/21 wird die Landesklasse abgeschafft. Die letzten Meister steigen dann in die Landesliga auf, die Zweiten der Staffeln Nord und Süd spielen mit den Meistern der Regionsoberliga Mitte-Niedersachsen, Elbe-Weser und der Bremen-Liga einen zweiten Aufsteiger aus. Wer den Sprung in die Landesliga nicht schafft, wird der entsprechenden Regionsoberliga zugeordnet.

Jens Schoof, Vize-Präsident der Spieltechnik beim Handballverband Niedersachsen (HVN), gibt einen Einblick in den Entscheidungsprozess. Eigentlich wollten die Regionsvorsitzenden den Antrag auf Auflösung stellen, dann aber übernahm der HVN die Initiative. Die „größte Herausforderung“, so Schoof, „waren die Aufstiegsplätze.“ Der Bremer sieht einen großen Gewinner: „Die Regionsoberliga wird spielerisch aufgewertet.“ Es müsse sich zeigen, ob die Regionen in der Lage sind, einen zugeschnittenen Spielbetrieb zu gewährleisten.

Verbände für Abschaffung
Auch Wolfgang Sasse, Vorsitzender der Handball-Region Oldenburg, begrüßt das Ende der Landesklassen: „Das war lange überfällig.“ Für den Wildeshauser Funktionär ist wichtig, dass man mit diesem Schritt eine Gleichbehandlung in Niedersachsen erreicht – denn der HVN sieht eine Landesklasse als Zwischenliga eigentlich nicht vor. Entscheidend für die Saison 2021/22 ist laut Sasse jetzt die Arbeit der Spieltechniker in den einzelnen Handballregionen und beim HVN. Es könne durchaus sein, dass Landesliga und auch Regionsoberliga dann mit zwei Mannschaften mehr in den Spielbetrieb gehen.

Im Gegensatz zu den Verbandsfuntionären sehen die Vereine die Abschaffung kritisch. Vorstandmitglied Lars Osterloh von der HSG Hude/Falkenburg, die mit der Männer- und der zweiten Frauenmannschaft in der Landesklasse spielt, erklärt: „Damit fällt eine weitere Liga bei den Frauen weg, wir haben ja schon keine Verbandsliga. Der Leistungsabfall ist ohnehin schon sehr groß.“ Die zweite Frauen-Mannschaft, die Inge Breithaupt trainiert, ist momentan Tabellenführer, würde aber den Aufstieg in die Landesliga zum wiederholten Mal ablehnen.

Auch Holger Jürchter, der Vorsitzende der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, äußert seine Bedenken. Sein Club ist ebenfalls mit Frauen und Männern in der aktuellen Spitzengruppe der Landesklasse Nord vertreten. „Immer wieder trifft es die kleinen Vereine“, klagt Jüchter. Für ihn hat die Landesklasse immer eine gute Zwischenliga zwischen Landesliga und Regionsoberliga gebildet. Er sieht wie Osterloh durch den Wegfall die Gefahr eines größeren Leitungsgefälles. Jürgen Janßen ist als Clubchef der zum Bremer Verband gehörenden HSG Delmenhorst vor allem gespannt, „wie sich die Aufstiegsfrage tatsächlich lösen lässt“.

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