Auf dem Boden der Tatsachen

Die HSG Gruppenbühren/Bookholzberg spielte in der vergangenen Saison in der Bundesliga, tritt in dieser Spielzeit jedoch in der Oberliga an – und verlor dort zweimal in Folge zum Auftakt. Eine Bestandsaufnahme.

Bookholzberg. Der Aufprall in die Realität war für die männliche A-Jugend der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg knallhart. Bis vor zehn Monaten hießen ihre Gegner in der Handball Bundesliga noch THW Kiel, SG Flensburg-Handewitt oder auch Füchse Berlin. Und selbst durch die Oberliga Vorrunde waren die Landkreisler mit 14:2 Punkten überlegen gerauscht. Nun aber bilden sie mit 0:4 Punkten das Schlusslicht der Oberliga. Sind die Oberliga-Gegner für den Bundesliga-Absteiger mittlerweile zu schwer geworden oder handelt es sich nur um eine kleine Bruchlandung mit anschließender Reparatur und einem Neustart?

Der HSG-Trainer Stefan Buß will es gar nicht erst schönreden: „Natürlich haben wir uns den Start ganz anders vorgestellt. Der war denkbar schlecht und wurmt uns alle“, gibt er sofort zu. Nichtsdestotrotz wiesen die beiden Bookholzberger Auftaktgegner auch eine gewisse Extraqualität auf. Die Burgdorfer Reserve hatte sich beim 25:21-Erfolg in der spielfreien Bundesligazeit eben gerade aus diesem Pool an höherklassigen Akteuren wie dem Ex-Nationalspieler Joel Wunsch bedient. Beim 22:21-Erfolg von Anderten am Ammerweg wirkten in dessen Reihen wiederum Nour El Eslem Fayala und Jan Haase mit, die beim HSV Hannover in der dritten Liga mittrainieren. Das sind freilich Möglichkeiten, die man in Grüppenbühren/Bookholzberg so nicht hat. „Wer da geglaubt hat, dass wir so einfach durch die Liga marschieren, der ist schief gewickelt. Auch die anderen können Handball spielen“, betont Stefan Buß.

Starke Gegner in der Oberliga
Das heißt aber nicht, dass der Coach die momentanen Schwächen seiner Mannschaft nicht erkennt. Denn während die Abwehr der Landkreisler nach wie vor steht, knarzt es in ihrem Angriff an mehreren Stellen. Dort wird das Spiel viel zu statistisch aufgezogen und in die Breite verlagert, anstatt dass in die Tiefen der gegnerischen Abwehr hinein getaucht wird. Dadurch hapert es auch am Kreisläuferspiel, normalerweise eine der Stärken der HSG. Außerdem musste im ersten Spiel der angeschlagene Rückraumschütze Kian Krause frühzeitig passen, der erkrankte Jona Schultz fehlt in der zweiten Reihe seit zwei Spielen ohnehin als dringend benötigte Alternative.

Und dann ist da noch die eklatante Bookholzberger Strafwurfquote, die bei mageren 50 Prozent liegt. Der Liga-Durchschnitt beträgt 75 Prozent, in der Oberliga Vorrunde verwertete der Ex-Bundesligist noch 80 Prozent seiner Würfe von der Siebenmeterlinie. Apropos Torchancen: Die wurden gegen Anderten mehrfach nicht genutzt, sodass die Gäste einen Drei-Tore-Rückstand (15:18) noch drehen konnten. Burgdorf nutzte das beim Saisonauflopp sogar zu einem 8:0-Lauf (17:8).

„Ja, unsere Chancenverwertung ist wirklich viel zu fahrlässig“, stöhnt Buß auf. Er führt einen Teil der Angriffsschwächen darauf zurück, dass sein Team nicht ständig komplett zusammen trainiert. Denn einige Akteure trainieren auch bei den Männer-Mannschaften anderer Klubs mit, bei denen sie per Doppelspielrecht ebenfalls aktiv sind und sich dort für die Zukunft empfehlen wollen.

„Ich glaube, dass wir uns als Mannschaft zu sicher gefühlt und das nicht ernst genug genommen haben“, bringt der Kreisläufer Henk Braun ein weiteres Argument selbstkritisch zur Sprache. „Die zweite Hälfte gegen Burgdorf und das gesamte Spiel gegen Anderten waren von uns nicht schlecht. Dort fehlte lediglich die Cleverness, das Spiel zu unseren Gunsten runter zu spielen und nicht aus unserem Konzept auszubrechen“, fügt Braun an. Er sieht sein Ziel noch nicht aus dem Fokus schwinden: „Ich will mit der Mannschaft immer noch Meister werden und glaube, dass es machbar ist. Wir müssen nur als Team unsere Stärken und die Erfahrung, die wir mittlerweile gesammelt haben, ausspielen.“

Stefan Buß erwartet in seinem vierten Jahr mit der Mannschaft, „dass sich die Spieler an die Nase fassen und um jeden Ball kämpfen.“ Er möchte ab jetzt kein Heimspiel mehr verlieren und mit dem Team, das nach der Saison in hohem Maße in den Erwachsenenbereich wechseln muss, „so viele Siege wie möglich einfahren. Um keinen schlechten Abschluss zu haben.“

Beim Erreichen einer der vier vorderen Ränge wäre das erneute Ticket für die Bundesliga-Aufstiegsrunde gelöst, als Fünftplatzierter wäre zumindest die erneute Teilnahme an der Oberliga Vorrunde gesichert. Zunächst einmal richtet sich das Augenmerk der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg aber auf das Heimspiel am Sonntag gegen den Tabellenvierten MTV Groß Lafferde (14 Uhr, Ammerweg). Die Gäste reisen mit 2:4 Punkten im Gepäck an, waren aber jüngst der TSV Burgdorf II nur knapp mit 24:25 unterlegen. „Lafferde verfügt über zwei starke Rückraumwerfer und zieht ein starkes Kreisläuferspielen auf“, warnt Stefan Buß vor allem vor den beiden MTV-Wurftürmen Jan-Bennet Kanning (zehn Tore pro Spiel) und Jesper Langheimer (7,7 Tore pro Spiel). Das Gäste-Duo führt die Oberliga-Scorer-Liste an, Grüppenbührens erfolgreichster Werfer, Spielmacher Jakub Anuszewski, nimmt mit 5,5 Toren pro Spiel den achten Rang ein. Torschützenliste hin oder her: Gegen Groß Lafferde soll bei Grüppenbühren/Bookholzberg endlich die Trendwende her.

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