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Nachgefragt: Grüppenbührens Routinier Stefan Buß über die Bedeutung des Derbysiegs gegen Hoykenkamp

„Wir wollen den Schwung mitnehmen“

26.01.2016

Herr Buß, der 31:30-Auswärtssieg der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg im Handball-Landesliga-Derby bei der TS Hoykenkamp kam für viele überraschend. Haben Sie und Ihre Teamkollegen den Coup am Sonntagabend noch ausgiebig gefeiert?

Mit 35 Jahren gehört Stefan Buß bei der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg zu den ganz erfahrenen Spielern. Im Derby bei der TS Hoykenkamp ging der Routinier voran und führte seine Mannschaft mit insgesamt zehn Toren zum 31:30-Sieg. (Ingo Moellers)

Stefan Buß: Nein, wir haben gar nicht gefeiert. Das Spiel war sehr emotional und körperlich anstrengend. Da waren wir alle platt, zumal wir am Tag vorher noch unsere Kohlfahrt hatten. Außerdem wollten wir am Sonntagabend alle noch das Spiel der deutschen Handballer gucken, daher ist in der Halle nicht mehr viel passiert.

Dennoch startet man nach solch einem Derbysieg sicherlich mit Schwung in die neue Woche, oder?

Klar, wir hatten ja auch etwas gutzumachen nach der deutlichen Heimniederlage gegen Hoykenkamp im Hinspiel. Wir mussten also was zeigen, und das haben wir getan. Es war für uns auch gar kein richtiges Auswärtsspiel, weil so viele Zuschauer aus Bookholzberg in der Halle waren. Solch ein Derby ist eben immer etwas Besonderes. Wir Spieler kennen uns alle untereinander und feiern öfter zusammen. Jetzt haben wir Bookholzberger erst einmal das Glück, dass wir in den nächsten Monaten über unseren Sieg sprechen können, wenn man sich irgendwo trifft.

Hätten Sie denn vorher gedacht, dass Ihre Mannschaft in Hoykenkamp gewinnen kann? Sie waren schließlich der klare Außenseiter.

Natürlich waren wir dieses Mal der Außenseiter, aber Derbys haben eben eigene Gesetze. Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen, waren stark in der Abwehr und hatten in einigen Situationen auch das Quäntchen Glück. In der zweiten Halbzeit hatten wir zwar einen kleinen Hänger, aber insgesamt haben wir meiner Meinung nach verdient gewonnen.

In der ersten Halbzeit waren es vor allem Sie und Werner Dörgeloh, die die Mannschaft angeführt und viele Tore geworfen haben. Nun gehören Sie beide aber zu den ältesten Grüppenbührener Akteuren, haben da die Kräfte später etwas nachgelassen?

Das bleibt nicht aus, auch wenn Werner und ich fit sind und mithalten können. Man will es zwar nicht, aber irgendwann sagt der Körper, dass man eine Pause braucht. Dass Hoykenkamp noch einmal rangekommen ist, lag aber nicht nur an den schwindenden Kräften. Sie konnten etwas mehr wechseln als wir. Außerdem haben wir auch unglückliche Zeitstrafen gekriegt und vorne unsere Konzepte nicht mehr zu Ende gebracht. Hätten wir die durchgespielt, wäre es ganz bestimmt nicht mehr so eng geworden.

So war Hoykenkamp aber plötzlich bis auf einen Treffer dran, und es wurde hektisch. Der gegnerische Trainer Jörn Franke forderte eine Rote Karte gegen Ihren Mitspieler Kevin Pintscher, die es allerdings nicht gab. Für ihn war diese Szene spielentscheidend, wie haben Sie die Situation gesehen?

Die Schiedsrichter waren sehr gut und haben auf beiden Seiten gut gepfiffen. Dass Jörn Franke jetzt eine Rote Karte fordert, gehört sich nicht. So etwas sollte man nicht machen. Die Schiris haben das Spiel ganz sicher nicht entschieden.

Definitiv ein wichtiger Faktor war Ihre Treffsicherheit bei Siebenmetern. Alle sieben Versuche landeten im Netz. Wie haben Sie das hingekriegt?

Ach, ich bin schon immer der Siebenmeterschütze. Man darf einfach nicht nachdenken, sonst wird es nichts. Gegen Hoykenkamp hatte ich auch zwei- oder dreimal Glück, weil der Torwart dran war. Aber dieses Glück haben wir uns erarbeitet.

Bis Sonntag verlief die Saison für Grüppenbühren/Bookholzberg alles andere als glücklich. Ihre Mannschaft steckt unerwartet im Abstiegskampf. Kann der Derbysieg nun eine Initialzündung sein, damit es bergauf geht?

Ja, das hoffe ich natürlich. Wir wissen, was wir können. Jetzt müssen wir das auch mal in mehreren Spielen hintereinander zeigen. Wir spielen jetzt gleich am Freitag und am Sonnabend. Wenn wir zweimal gewinnen, sieht es plötzlich ganz gut aus. Dann könnten wir in der Tabelle auf Platz fünf vorrücken.

Der Spielplan will es tatsächlich so, dass Ihre Mannschaft nun am Freitag den FC Schüttorf empfängt und nur einen Tag danach den OHV Aurich II. Normalerweise ist solch eine Doppelbelastung bei Spielern nicht sonderlich beliebt. Nach dem Derbysieg könnten die zwei Partien aber gerade zum richtigen Zeitpunkt kommen, oder?

Ja, genau, wir wollen den Schwung jetzt mitnehmen. Schüttorf ist als Tabellenvierter zwar der Favorit, aber die können wir zu Hause schlagen. Wir wollen mit vier Punkten aus dem Wochenende rausgehen. Auch kräftemäßig sollten die zwei Spiele an zwei Tagen machbar sein, selbst für uns ältere Spieler (lacht). Und wenn wir wirklich zweimal gewinnen, dann können wir am nächsten Wochenende auch mal richtig feiern.

Das Interview führte Christoph Bähr.

Quelle: „Wir wollen den Schwung mitnehmen“ – Lokalsport Delmenhorster Kurier – WESER-KURIER