1. Herren – „Es ist eine freundschaftliche Rivalität“ – Lokalsport Delmenhorster Kurier – WESER-KURIER

Nico Skormachowitsch und Werner Dörgeloh blicken auf das anstehende Derby Hoykenkamp gegen Grüppenbühren

„Es ist eine freundschaftliche Rivalität“

22.01.2016

Ein Derby zwischen der TS Hoykenkamp und der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg wäre ohne diese zwei Spieler nicht mehr dasselbe. Die Routiniers Nico Skormachowitsch (Hoykenkamp) und Werner Dörgeloh (Grüppenbühren) sind ihren Vereinen seit Jahrzehnten treu und haben unzählige Nachbarschaftsduelle erlebt. Am Sonntag treffen Hoykenkamp und Grüppenbühren in der Handball-Landesliga einmal mehr aufeinander. Über die Ausgangslage und die Rivalität zwischen den Klubs sprachen Skormachowitsch (39) und Dörgeloh (40) mit Christoph Bähr.

Treten schon seit der A-Jugend regelmäßig gegeneinander an: Hoykenkamps Nico Skormachowitsch (linkes Bild) und Grüppenbührens Werner Dörgeloh. Am kommenden Sonntag treffen ihre Mannschaften einmal mehr im Nachbarschaftsderby aufeinander. (INGO MOELLERS)

Herr Skormachowitsch, Herr Dörgeloh, Sie beide sind schon lange dabei und haben unzählige Derbys zwischen Hoykenkamp und Grüppenbühren/Bookholzberg erlebt. Ist man da vor dem nächsten Duell der Erzrivalen am Sonntag noch aufgeregt?

Nico Skormachowitsch: Es ist ja nun nicht mein erstes Derby (lacht). Ich spiele jetzt seit über 20 Jahren in der Ersten Herren, also müssen es bestimmt fast 40 Derbys gewesen sein, bei denen ich dabei war. Da ist es natürlich nicht mehr so, dass ich in der Nacht davor kein Auge zumachen kann. Trotzdem ist so ein Derby immer noch etwas Besonderes. Jeder Spieler dürfte in solch einer Partie noch ein bisschen mehr motiviert sein als sonst, oder?

Werner Dörgeloh: Klar, man läuft sich ja immer wieder über den Weg und will schließlich nicht abends auf eine Feier gehen und sich dann dort von einem Hoykenkamper etwas anhören müssen, so wie beim letzten Mal.

Treten schon seit der A-Jugend regelmäßig gegeneinander an: Hoykenkamps Nico Skormachowitsch (linkes Bild) und Grüppenbührens Werner Dörgeloh. Am kommenden Sonntag treffen ihre Mannschaften einmal mehr im Nachbarschaftsderby aufeinander. (Ingo Moellers)

Sie sprechen das bislang letzte Derby im September 2015 an. Ihre HSG Grüppenbühren/Bookholzberg verlor damals mit 20:28. Was passierte danach?

Werner Dörgeloh: Da waren wir abends noch auf einem Geburtstag, und Hergen Schwarting (ein Spieler der TS Hoykenkamp, Anm. d. Red.) war auch dort. Von ihm gab es natürlich den einen oder anderen Kommentar zum Spiel. Das ist dann doof. Andersherum ist es schöner.

Die Gefahr ist allerdings groß, dass Grüppenbühren wieder unterliegt. Als Tabellenzweiter und mit dem Heimvorteil im Rücken ist Hoykenkamp der klare Favorit. Teilen Sie diese Ansicht?

Werner Dörgeloh: Wir sind der Außenseiter, und dazu sind wir auswärts auch noch eine Macht (lacht ironisch). Eigentlich ist eher nichts für uns drin, aber so darf man in solch ein Spiel nicht reingehen. Der Derbycharakter ist etwas Besonderes, und von den Zuschauern her wird es für uns sicher kein Auswärtsspiel werden, denn es wollen viele aus Bookholzberg mitkommen. Druck haben wir übrigens auch, obwohl wir der Außenseiter sind. Denn wir können in der Tabelle noch unten reinrutschen und brauchen dringend Punkte.

Nico Skormachowitsch: Von der Tabellensituation her sind wir auf jeden Fall der Favorit. In der Vergangenheit wusste man vorher oft nicht genau, wie das Derby ausgeht. Dieses Mal müssen wir mit unseren Ambitionen das Ding gewinnen. Da brauchen wir uns nicht rauszureden. Das erhöht den Druck. Wir können im Grunde nur verlieren. Ein Sieg ist in unserer Situation eine Grundvoraussetzung, aber natürlich können uns die Bookholzberger ärgern. Die können ja alle Handball spielen.

Ein Sieg gegen den Nachbarn und Erzrivalen wäre also für beide Seiten sehr wichtig. Wie groß ist überhaupt die Rivalität zwischen Hoykenkamp und Grüppenbühren/Bookholzberg?

Nico Skormachowitsch: Die Rivalität ist heute nicht mehr so extrem wie früher. Man kennt sich größtenteils auch privat und freut sich, wenn man sich trifft und über Handball schnacken kann. Es ist nicht mehr so wie früher, als man sagte: Guck mal, da ist der Bookholzberger! Mittlerweile ist es eine freundschaftliche Rivalität. Wir wollen ja alle nur Handball spielen.

Werner Dörgeloh: Viel schlimmer als die Spiele gegen Hoykenkamp waren die Derbys zwischen Grüppenbühren und Bookholzberg, als es die Spielgemeinschaft noch nicht gab. Mit Hoykenkamp geht es eher freundschaftlich zu, weil die jungen Spieler sich heute untereinander alle kennen. Da gibt es kein Kratzen und Beißen auf dem Feld mehr, das war früher anders, aber inzwischen ist es ein normales Spiel.

Sie beide haben sich auch schon in unzähligen Derbys als Gegenspieler erlebt. Wie ist Ihr Verhältnis untereinander?

Nico Skormachowitsch: Werner und ich kennen uns wirklich lange, wir spielen schon seit der A-Jugend gegeneinander. Über die Jahre haben wir ein gutes Verhältnis aufgebaut und trinken auch gerne mal ein Bier zusammen.

Werner Dörgeloh: Das stimmt, wir verstehen uns gut.

Ich habe mit Nico ja früher schon zusammen in der Auswahl gespielt. Und in jungen Jahren wollten er und einige andere mich immer nach Hoykenkamp holen, aber daraus wurde nichts.

Über die Jahre haben sich auch die Vorzeichen für das Derby stets verändert. Mal war der eine Favorit, dann der andere, aber meistens waren die Mannschaften in etwa auf Augenhöhe. Aktuell ist Hoykenkamp jedoch Zweiter und Grüppenbühren nur Zehnter. Wo liegen die Gründe dafür?

Werner Dörgeloh: Beide Mannschaften sind im Umbruch, und Hoykenkamp ist uns da etwas voraus. Das muss man einfach so sagen, auch wenn mich das natürlich wurmt. In beiden Vereinen gab es viele ältere Leistungsträger, die aufgehört haben, und es mussten junge Spieler eingebaut werden. Hoykenkamp ist in diesem Prozess eben schon weiter als wir. Mit unserer Mannschaft hätte ich vor der Saison einen Mittelfeldplatz als Ziel angesehen. Dass die Saison bisher so in die Hose gegangen ist, ist aber schon erschreckend, denn wir spielen ja fast in der gleichen Besetzung wie in der letzten Spielzeit.

Nico Skormachowitsch: Wir haben jetzt eine sehr gute und ausgeglichene Mannschaft mit einer guten Mischung aus Alt und Jung. Die jungen Spieler treten schon viel konstanter auf als in der letzten Saison. Unser Ziel ist es, den Relegationsplatz zu erreichen. Aber das wird sich erst spät entscheiden, oben ist alles eng zusammen.

Und Grüppenbühren? Schwebt die Mannschaft in Abstiegsgefahr?

Werner Dörgeloh: Über den Abstieg brauchen wir noch nicht zu reden. Wir haben noch viele Spiele vor uns und haben bisher auch kaum zu Hause gespielt. Nach dem Derby folgen jede Menge Heimspiele, und die müssen wir dann gewinnen.

Wie sehen Ihre persönlichen Zukunftsplanungen aus? Ein Nachbarschaftsduell zwischen Hoykenkamp und Grüppenbühren ohne Nico Skormachowitsch und Werner Dörgeloh ist zwar kaum vorstellbar, aber könnte es am Sonntag möglicherweise Ihr letztes Derby werden?

Werner Dörgeloh: Ehrlich gesagt habe ich mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht, ob ich nach der Saison weitermache. Man muss den richtigen Moment zum Aufhören finden, und das ist schwierig. Wenn die Knochen halten und ich weiter mithalten kann, möchte ich gerne noch spielen. Andererseits will ich aber auch nicht irgendwann als Witzfigur vom Platz getragen werden.

Nico Skormachowitsch: Ich weiß es auch noch nicht. Ich sortiere nach der Saison meine Knochen neu und überlege mir dann, ob es weitergeht. Momentan kann ich gut mithalten. Dabei hilft mir natürlich auch, dass die jungen Spieler sich so gut entwickeln. Dadurch kriege ich mehr Pausen und muss nicht immer durchspielen. Das tut mir schon ganz gut.

Quelle: „Es ist eine freundschaftliche Rivalität“ – Lokalsport Delmenhorster Kurier – WESER-KURIER