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Sven Engelmann trainiert zwei Teams, die in dieser Saison noch punktlos sind: Grüppenbühren und Brinkum

Doppelt bitter

Christoph Bähr 24.10.2015

Manch ein Trainer würde an allem zweifeln. Manch ein Trainer würde wüten. Manch ein Trainer würde einfach hinwerfen. Sven Engelmann aber geht es analytisch an. Der 48-Jährige betrachtet die Spiele der zwei Mannschaften, die er trainiert, immer wieder auf Video, sucht nach Fehlern, nach Gründen für die Niederlagen. Und derzeit findet Engelmann viele Fehler seiner Spieler, sehr viele Fehler. Bislang ist es für den ehemaligen Zweitliga-Handballer des TV Grambke nämlich eine Saison zum Vergessen – in doppelter Hinsicht. Mit der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg liegt er am Tabellenende der Landesliga Weser-Ems, ohne einen einzigen Punkt. Mit dem FTSV Jahn Brinkum liegt er am Tabellenende der Verbandsliga Nordsee, ohne einen einzigen Punkt.

Eine Saison zum Vergessen erlebt Sven Engelmann bislang. Er trainiert den Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg sowie den Verbandsligisten FTSV Jahn Brinkum und ist mit beiden Mannschaften noch punktlos. (Ingo Moellers)

Schlägt das nicht auf die Stimmung? „Nein“, sagt Sven Engelmann ruhig. „Ich bleibe optimistisch.“ Er habe nach wie vor große Lust auf seine zeitaufwendige Doppelfunktion, auch wenn er sich natürlich hinterfrage. „Aber das tue ich immer, nach Siegen und nach Niederlagen.“ Videoanalysen gehören also ohnehin zu Engelmanns Pflichtprogramm. „Nur wenn man gewonnen hat, macht das natürlich mehr Spaß.“ In der aktuellen Spielzeit haben seine Mannschaften noch gar nicht gewonnen. Grüppenbühren verlor alle vier bisherigen Spiele, Brinkum alle fünf Partien. Vergleichbar sei die Situation in seinen beiden Teams aber keineswegs, betont Engelmann.

„In Grüppenbühren habe ich den Kern der Mannschaft weiterhin beisammen, es fehlt nur die Feinabstimmung. In Brinkum sind viele wichtige Spieler weggegangen, dort müssen wir uns noch finden. Deshalb muss ich die zwei Aufgaben auch völlig unterschiedlich angehen.“ Tatsächlich haben Brinkum gleich sieben Akteure verlassen, darunter etwa Meik Schäfer, Olaf Sawicki und Tim Kieselhorst, die zum Oberliga-Aufsteiger HSG Delmenhorst gingen. In Grüppenbühren wanderten dagegen lediglich Marcel Behrens und Daniel Hammler ab. Zwar nahm Behrens, der in die zweite Mannschaft wechselte, als Spielmacher über mehrere Jahre eine zentrale Rolle ein, doch trotzdem ist der Kader auf dem Papier kaum schwächer als in der vergangenen Spielzeit, die auf dem dritten Platz endete.

Einen großen Unterschied gibt es allerdings, der Sven Engelmann vor Rätsel stellt: Die Grüppenbührener, in der Vorsaison noch die Tormaschine der Landesliga, treffen einfach nicht mehr und stellen mit gerade einmal 93 Treffern den zweitschwächsten Angriff ihrer Spielklasse. „Wir kommen ja zum Tor, aber machen dann im Abschluss zu viele Fehler. Darüber bin ich selbst verwundert. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich das bald ändern wird. Im Training arbeiten wir daran“, sagt Engelmann. Möglichst schon am heutigen Sonnabend hofft der Coach auf eine bessere Trefferquote seiner Schützlinge, wenn in einem verlegten Landesliga-Spiel die HG Jever/Schortens in der Halle am Ammerweg gastiert (19 Uhr). „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir mal gewinnen würden“, sagt Engelmann und lacht.

Die Jeveraner sind jedoch im Gegensatz zu Grüppenbühren ordentlich in die Saison gestartet und weisen 4:4 Punkte auf. „Die sind sehr spielstark. Wir sind gewarnt“, betont Engelmann. Auch gegen Jever/Schortens fehlen ihm wieder zahlreiche Spieler, das ist zweifellos ein weiterer Grund für die Grüppenbührener Krise. In Stefan Buß und Tobias Sprenger sind zwei Leistungsträger langzeitverletzt. Nun fällt auch noch Marcel Donner mit einem Bänderriss für rund zwei Monate aus. Außerdem ist der Einsatz von Marcel Biedermann fraglich, sodass Engelmann drei Verstärkungen aus der Reserve holt: Dominik Krüger, Kevin Wehnert und Nils Hammler. Die Personalsorgen will Grüppenbührens Coach ohnehin nicht als Ausrede gelten lassen. „Auch mit der jetzigen Besetzung sollten wir mehr leisten können“, unterstreicht er.

Übrigens kommt es Sven Engelmann ganz recht, dass die Begegnung gegen Jever/Schortens verlegt wurde und daher als eines von ganz wenigen Handball-Spielen in den Herbstferien ausgetragen wird. Somit hofft er nämlich, dass die Zeit der Sieglosigkeit schon heute endlich vorübergeht. Ansonsten hätte Engelmann noch mindestens zwei weitere Wochen warten müssen, um die Misere zu beenden. Brinkums nächstes Spiel steht nämlich erst am 8. November gegen die SG HC Bremen/Hastedt an, während Grüppenbühren einen Tag davor den FC Schüttorf empfängt. In dieses Spiel wird er aber nicht mehr als siegloser Trainer gehen, daran glaube er fest, sagt Sven Engelmann.

Quelle: Doppelt bitter – Lokalsport Delmenhorster Kurier – WESER-KURIER