1. Herren – Verrücktes Rennen um die Aufstiegsplätze

Verrücktes Rennen um die Aufstiegsplätze

Halt, hier geht es nicht weiter! Hoykenkamps Riese Nico Skormachowitsch (links) stoppt Grüppenbührens Marcel Biedermann (Mitte). TSH-Spieler Tim Streckhardt braucht nicht mehr eingreifen.Foto: Rolf TobisHalt, hier geht es nicht weiter! Hoykenkamps Riese Nico Skormachowitsch (links) stoppt Grüppenbührens Marcel Biedermann (Mitte). TSH-Spieler Tim Streckhardt braucht nicht mehr eingreifen.Foto: Rolf Tobis

Hoykenkamp/Bookholzberg. Die TS Hoykenkamp hat sich an die Spitze der Landesliga herangeschlichen, die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg konnte aus den Patzern der Konkurrenz kein Kapital geschlagen. Die Routiniers Nico Skormachowitsch (TSH) und Marcel Biedermann (HSG) erklären, warum.

Am Tag nach dem emotionalen Derbysieg hatte Nico Skormachowitsch seine gute Laune natürlich nicht verloren. „Nach so einem Sieg fühlt man sich schon richtig gut“, sagte der Handballer der TS Hoykenkamp über den hart erkämpften 22:21-Zittersieg im Nachbarduell über die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg und lachte. Skormachowitsch weiß, wovon er spricht, denn der 38-jährige Rückraum-Riese hat mit seiner TS Hoykenkamp schon etliche Schlachten gegen den Gemeinderivalen geschlagen. Deshalb war der Erfolg über den geliebten Nachbarn Balsam für die geschundenen Hoykenkamper Seelen, die im Hinspiel – ohne Skormachowitsch wohlgemerkt – zum Landesliga-Start eine 23:30-Packung einstecken mussten und nun Wiedergutmachung betrieben.

„Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben“, meinte Skormachowitsch. Das unnötige Zittern, als die TSH einen 19:12-Vorsprung in der zweiten Halbzeit fast noch verspielte, hätte sich Hoykenkamp laut Skormachowitsch aber locker ersparen können. „Wir hätten einfach ruhig unseren Stiefel weiterspielen müssen. Dann hätte es auch diese unnötigen Diskussionen nach Spielende nicht gegeben.“ Damit spielte der Halbrechte auf diverse unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen in der Endphase an, die vor allem HSG-Trainer Sven Engelmann mächtig auf die Palme brachten.

Engelmann sieht „viel Sand im Getriebe“

„Die Leistungen der Schiedsrichter war sehr bescheiden“, erklärte Engelmann am Montag. Vor allem das Ungleichgewicht bei den Zeitstrafen – die HSG kassierte neun, die TSH drei Hinausstellungen – ärgerten Engelmann. Der HSG-Trainer räumte aber auch ein: „Wir sind an der Niederlage selber schuld. Wir hatten die ersten 45 Minuten Sand im Getriebe.“ Erst in der letzten Viertelstunde, als die HSG nur drei Gegentore kassierte, sei seine Mannschaft gut im Spiel gewesen. Ein Sonderlob verteilte er an die Aushilfen aus der zweiten Mannschaft, die „aufopferungsvoll gekämpft“ hätten.

Hoykenkamps Derbysieg hatte für Nico Skormachowitsch einen einfachen Grund: „Unsere Automatismen greifen immer besser. Wir haben eine perfekte Mischung aus jungen und alten Spielern“, erklärte der Shooter den Hoykenkamper Aufschwung. Die vielen Youngster hätten einfach Eingewöhnungszeit gebraucht, sagte Skormachowitsch, „jetzt haben sie viel mehr Sicherheit“. Vor allem im Angriff greifen die Rädchen nun besser ineinander. Bestes Beispiel: das fulminante 36:19 vor zwei Wochen gegen den Tabellenführer TV Bohmte .

Neue Perspektiven in der Tabelle

Durch den Erfolg über Grüppenbühren/Bookholzberg gelang der Turnerschaft aber nicht nur ein prestigeträchtiger Erfolg. Nein, er eröffnete Hoykenkamp plötzlich auch wieder ganz neue Perspektiven im Rennen um den Verbandsliga-Aufstieg. Dank seiner fünf Siege aus den vergangenen sechs Begegnungen hat sich die TSH (16:10 Punkte) auf Rang vier der Tabelle vorbeigeschlichen und ist an den Dritten Grüppenbühren/Bookholzberg (17:11 Punkte) herangerückt – bei einem Spiel weniger.

Auch der FC Schüttorf (20:8), der auf dem Relegationsplatz zwei liegt, ist nach dem Stotterstart in die Saison für die Hoykenkamper schon im Blickfeld. Nur der Erste Bohmte (22:6) scheint aktuell außer Reichweite. Noch. „Die Liga ist richtig interessant. Jeder kann jeden schlagen“, sagte Shooter Skormachowitsch über die regelmäßigen Patzer der Topteams und glaubt: „Alle Mannschaften, die obenstehen, werden noch ihre Punkte liegen lassen.“ Auch der Fünfte Wilhemshavener HV II (15:11) und selbst der Sechste TuS Bramsche (14:10) haben für die Rückrunde noch alle Chancen, oben anzugreifen.

Biedermann ärgert sich über „bittere Niederlage“

„In dieser Liga ist nichts unmöglich“, beschrieb HSG-Spieler Marcel Biedermann rückblickend das verrückte Aufstiegsrennen. Deshalb war die Derbyniederlage und die HSG-Pleite eine Woche zuvor in Eicken für die Gäste umso ärgerlicher – Grüppenbühren/Bookholzberg hätte schon auf Platz zwei stehen können. „Das ist sehr bitter“, meinte Biedermann. Er selbst kam nach vielen starken Spielen vor der Weihnachtspause dieses Mal nicht so wie erhofft zum Zuge und war nur drei Tore.

Lange Trübsal blies er nach der Niederlage beim Rivalen nicht. „Das war ein hartes, schnelles, tolles Derby. Das hat richtig Spaß gemacht. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten doch super gekämpft“, sagte Biedermann. Damit spielte der Linksaußen auf die Personallage der HSG an, die auf fünf Spieler verzichten musste, darunter die verletzten Werner Dörgeloh, Stefan Buß und Marcel Behrens. Biedermann hofft, dass die drei Routiniers schnell wieder fit werden – denn die HSG hat in dieser Saison trotz zweier Niederlagen in Folge weiter viel vor. „Wir wollen aufsteigen“, gibt Biedermann den Tenor der Mannschaft wieder. Was der HSG in der Rückrunde in die Karten spielen könnte, ist ihre Heimstärke. Das weiß auch Biedermann und blickt auf den Spielplan: „Schüttorf und Bohmte müssen beide noch zu uns reisen.“

Skormachowitsch will noch nicht aufhören

Noch hat der 30-Jährige mit dem Vorstand keine Gespräche geführt über seine sportliche Zukunft geführt, doch Biedermann würde gerne in Grüppenbühren bleiben: „Mit der HSG in der Verbandsliga zu spielen, das wäre noch mal ein Highlight für mich.“

Eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich wäre auch folgende Konstellation: Mit Grüppenbühren/Bookholzberg und Hoykenkamp steigen beide Gemeinderivalen in die Verbandsliga auf. Das hätte auch für Nico Skormachowitsch seinen Reiz. Unabhängig von der Liga hat der Rückraum-Riese aber schon einen Entschluss gefasst: „So lange ich es schaffe, bis donnerstags meine Knochen wieder zu sortieren, spiele ich weiter.“ Eine Nachricht, die nicht nur TSH-Trainer Jörn Franke freuen dürfte. Wie wertvoll der 38-Jährige noch für Hoykenkamp ist, zeigte er auch am Sonntag. Mit neun Treffern war Skormachowitsch Topscorer seines Teams. Mal wieder.

Ein Bild von Frederik Böckmann

Ein Artikel von Frederik Böckmann