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Landesliga: TS Hoykenkamp zwingt den Rivalen HSG Grüppenbühren/Bookholzberg in die Knie und siegt 22:21

Plötzlich oben dran

Daniel Cottäus 26.01.2015 0 Kommentare

Zweites Spiel hintereinander gegen einen Anwärter auf den Titel, zweiter Sieg: Die Landesliga-Handballer der TS Hoykenkamp haben eine Woche nach dem überraschenden Erfolg gegen Bohmte erneut aufhorchen lassen. Im Derby gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg kam die Mannschaft am Sonntag vor rund 250 Zuschauern zu einem knappen 22:21 (9:8)-Heimerfolg. Kurios: Als die hitzige Partie beendet war, herrschte in beiden Lagern zunächst Unzufriedenheit.

Kyan Petersen (Mitte) steuerte einen Treffer zum 22:21-Derbyerfolg der TS Hoykenkamp gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg bei. In dieser Szene setzt er sich gegen Marcel Biedermann (links) und den Ex-Hoykenkamper Patrick Meyer-Ebrecht durch. (INGO MOELLERS)

Stefan Buß, Werner Dörgeloh und Marcel Behrens waren am Sonntagnachmittag offenbar früh genug in die Halle Heide gekommen, um sich dort die besten Plätze auf der Tribüne zu sichern. Das Trio saß etwa auf Höhe der Mittellinie, hatte also besten Blick auf das Geschehen. Was sich während der folgenden 60 Minuten im Derby zwischen den Landesliga-Handballern der TS Hoykenkamp und der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg abspielte, dürfte Buß, Dörgeloh und Behrens allerdings nicht gefallen haben: Die drei verletzten Grüppenbührener Routiniers mussten eine knappe 21:22 (8:9)-Niederlage ihrer Mannschaft mit ansehen. Während es die Gäste dadurch verpassten, in der Tabelle näher an das Spitzenduo Schüttorf und Bohmte heranzukommen, hat Hoykenkamp plötzlich zum Rivalen aufgeschlossen und liegt als Vierter nur noch einen Punkt hinter Grüppenbühren.

Das Spiel war gestern kaum beendet, da war Sven Engelmann auch schon weg. Grüppenbührens Trainer teilte auf seinem Weg aus dem Innenraum lediglich mit, dass er keinen Kommentar abgeben wolle. Auch sein Co-Trainer Andreas Müller wollte erst nicht, sprach dann aber doch. „Wir haben nicht gegen Sieben, sondern gegen Neun verloren“, wetterte er in Richtung der Schiedsrichter Lukas Gil und Simon Idel (TSG Hatten-Sandkrug), die in der Tat durch einige unglückliche Entscheidungen aufgefallen waren. In der Schlussphase etwa pfiff das Duo die Gäste zweimal wegen Zeitspiels zurück, ließ auf der anderen Seite bei erhobenem Arm aber gefühlt deutlich länger laufen. „Zudem hätte Hoykenkamp mehr Zeitstrafen bekommen müssen“, echauffierte sich Müller.

Ein paar Meter weiter stand Jörn Franke, die Hände in die Hüften gestemmt. Trotz des Sieges war der Trainer der TS Hoykenkamp ebenfalls nicht zufrieden. Zumindest nicht im ersten Moment. „Wir haben lange gut gespielt, dann aber einfach aufgehört“, begann er, um letztlich nicht ganz ernsthaft zu betonten: „Wenn dieses Spiel noch unentschieden ausgegangen wäre, dann wäre ich aus dem Fenster gesprungen.“

Frankes Verstimmung war dabei durchaus nachvollziehbar, hatte seine Mannschaft nach 46 Minuten doch schon komfortabel mit 19:12 geführt. Der starke Nico Skormachowitsch (2), Ole Goyert, Hannes Ahrens, Kyan Petersen und Janko Freiwald hatten für Hoykenkamp sechs Tore am Stück markiert und die Weichen nach einer zuvor engen Partie auf Sieg gestellt. In der Folge riss bei den Gastgebern jedoch der Faden, sodass Grüppenbühren beim 15:19 durch seinen besten Torschützen Kevin Pintscher (sieben Treffer) plötzlich wieder Lust auf das Spiel bekam. „Wer so deutlich führt, muss die Sache eleganter lösen“, hielt Franke fest, noch immer sichtlich gezeichnet von einer mehr als packenden Schlussphase.

Nach der dritten Zeitstrafe musste der Grüppenbührener Dominik Krüger in der 52. Minute mit der Roten Karte vom Platz, was die „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ seiner Mannschaft aber nur noch verstärkte. Aus dem 22:17 (53.) machten die Gäste ein 22:19 (55.). Im Tor hatte inzwischen Arne Klostermann Position bezogen und entschärfte drei Bälle spektakulär. Im Angriff war es weiterhin Pintscher, der sich durchtankte und mit zwei Toren innerhalb von zwei Minuten für den Anschluss sorgte – 21:22 (57.). Danach verpasste Hoykenkamps Alexander Kirchhof frei stehend vor Klostermann die Entscheidung, weil er über das Tor warf. Auf der anderen Seite gab es dann die Pfiffe wegen Zeitspiels, sodass es letztlich beim knappen Sieg der Hausherren blieb. „Wir haben das Spiel gefilmt. Wollt ihr euch das Video lieber auch nochmal ansehen?“, fragte Grüppenbührens Tobias Sprenger nach dem Schlusspfiff in Richtung der Schiedsrichter und wedelte dabei mit einer Speicherkarte.

Während die Hausherren erstmal durchatmen mussten, weil sie eine Sieben-Tore-Führung fast noch aus der Hand gegeben hatten, fühlte sich Grüppenbühren um den verdienten Lohn betrogen. „Wenn ich sehe, wer bei uns alles gefehlt hat“, sagte Pintscher, „dann haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht“. Drei der vermissten Leistungsträger saßen bekanntlich auf der Tribüne. Nach dem Abpfiff wurden Buß, Dörgeloh und Behrens dann übrigens doch noch gebraucht: Gemüter beruhigen, Mitspieler aufbauen – das dürften gestern ihre Hauptaufgaben gewesen sein.

via Plötzlich oben dran – Lokalsport Delmenhorster Kurier – WESER-KURIER.