1. Damen – Streit der Handball-Verbände: DHB ändert die Aufstiegsregel für Frauen-Oberliga

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DHB ändert die Aufstiegsregel für Frauen-Oberliga

Der Bundesverband führt Entscheidungsspiele ein – mit womöglich schwerwiegenden Folgen für Hude/Falkenburg und Grüppenbühren. Die Landesverbände stellen sich jedoch dagegen.

Hude/Bookholzberg. Dass es in der 3. Liga der Handballer mitunter etwas unübersichtlich zugeht, hat die HSG Hude/Falkenburg schon am eigenen Leib erfahren. 2012 waren die Handballerinnen eigentlich abgestiegen, dann nachträglich dringeblieben – um sich schließlich doch in die Oberliga zurückzuziehen. Thorsten Stürenburg müsste also wissen, dass man mit allem rechnen müsste. Und dennoch war der Trainer überrascht, als er am Sonntag von den neuesten Tücken erfuhr, die der Deutsche Handball-Bund (DHB) in die Durchführungsbestimmungen eingebaut hat – und die faktisch den Aufstieg seines Klubs erschweren: „Ich höre das Ganze zum ersten Mal. Es klingt merkwürdig.“

Die Lage ist tatsächlich einigermaßen kurios. Stürenburgs Huderinnen halten aktuell Platz eins in der Oberliga Nordsee, der seit Einführung der 3. Liga am Saisonende immer zum Aufstieg berechtigte – 2015 jedoch nicht. Weil der DHB die 3. Liga erneut umbauen will, dieses Mal in sechs Achterstaffeln, steigen nur sechs der zwölf Oberliga-Meister auf; und Hude müsste, im Falle des Titels, gegen den Meister der Oberliga Westfalen um den Sprung in die 3. Liga spielen. Jedenfalls dann, wenn die Regel bestehen bleibt.

Doch das ist noch völlig unsicher. Die Pläne des DHB haben nämlich einen bundesweiten Streit der Verbände ausgelöst, der sogar vor Gericht enden könnte. Denn die im Juni 2014 beschlossene neue Aufstiegsregelung hat der DHB nie offensiv bekannt gemacht. Der Bremer Handball-Verband (BHV), zusammen mit dem Handball-Verband Niedersachsen für die Oberliga Nordsee zuständig, erfuhr davon erst Ende 2014 – da stand in der Oberliga-Spielordnung aber längst, dass alle Meister hoch dürfen. Entsprechend verärgert wurde die Nachricht aufgenommen. „Das ist ganz schlecht gelaufen“, findet BHV-Spielleiter Jens Schoof: „Man kann die Bestimmungen nicht so spät noch ändern. Außerdem ist das vom DHB nicht gut kommuniziert worden.“

Weil diese Meinung auch andere Landesverbände teilen, wird momentan unter Funktionären beraten, was nun zu tun ist. „Wir tauschen uns aus. Wir wollen das so nicht stehen lassen“, sagt Schoof, der sich bereits über die Rechtslage informiert hat. Bisher allerdings ohne klares Ergebnis: „Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wer Recht hat.“

Handball-Trainer sehen die Regeländerung gelassen

Kernfrage ist dabei, ob der DHB seine Landesverbände ausreichend informiert hat. Laut Schoof hat eine Bekanntmachung im eigentlichen Sinne nicht stattgefunden. Der DHB beruft sich dagegen darauf, dass die beschlossene Änderung doch im Protokoll der Sitzung des Bundesrats gestanden hätte. „Für mich ist das Heimlichtuerei“, findet Schoof, der in der festgefahrenen Situation nur zwei Möglichkeiten sieht: „Entweder wir schlucken die Kröte und schicken die Oberliga-Meister in eine Relegation. Oder wir klagen gegen den DHB.“ So oder so findet der Streit auf dem Rücken der Klubs statt. Für die sind die Paragrafen nach nicht einmal der Hälfte der Spiele (noch) Nebensache. Stürenburg kündigte trocken an: „Wenn wir Relegation spielen müssen, dann gewinnen wir eben zwei Spiele mehr.“

Ähnlich gelassen sieht es Trainer-Kollege Stefan Buß – obwohl auch für sein Team eine Menge vom Ausgang des Konflikts der Verbände abhängt. Seine HSG Grüppenbühren/Bookholzberg ist Vorletzter; bei zwei Regelabsteigern noch kein Grund zur Verzweiflung. Allerdings droht der Abstieg von Drittligist SFN Vechta in die Oberliga Nordsee. Das und eine mögliche verlorene Relegation des Nordsee-Meisters würde die Zahl der Absteiger auf vier erhöhen – und Grüppenbühren hätte statt einem Punkt plötzlich drei Zähler Rückstand auf das rettende Ufer. „Es sind aber noch zu viele Spiele, um daran zu denken“, meint Buß: „Außerdem ziehen immer Vereine zurück. Am Ende kommt es doch immer anders als man denkt.“ Im Handball erst Recht.

via Streit der Handball-Verbände: DHB ändert die Aufstiegsregel für Frauen-Oberliga.